Daneben gestanden.

Es ist diese entfernte Betroffenheit, die mich wiederum betroffen macht. Sicher oft ernst gemeint von demjenigen, der einen kleinen Moment erfährt, wie gewaltsam diese Gewalt wirklich sein kann. Einen kleinen Moment gemessen an dem, wie lange die tatsächlich Betroffenen es ertragen müssen. Mitgefühl auf sichere Distanz. Es ist ein Alltagsmensch, die davon spricht, das sie einen Bericht gehört hat auf einer Konferenz von einem, der viel mit den Opfern zu tun hat. Der ein spezieller Mensch sei, sicher um das zu ertragen, was er da täglich sieht und hört. Aber er sei ja schließlich Spezialist für solche Fälle. Gerichtsmediziner, um genau zu sein. Und was er erzählt habe, so schlimm sei das. Sie ist, denke ich, wirklich mit-fühlend. Und trotzdem ertrage ich diese Art von Mitgefühl kaum. Ich bin hier, nicht auf einem Obduktionstisch. Lebend, jeden Tag mit all dem „schlimmen“. Sie redet noch ein wenig weiter. Und dann höre ich uns sagen: Meine Geschichte ist auch so eine. Ich bin nur nicht tod. “ Ich sehe, wie es bei ihr arbeitet. Ach so. Aha. Dann wird ein Schweigen peinlich lang. Ich müsse jetzt weiter. Jaja, einen schönen Tag noch. Ja danke. Dir auch. Ich weis noch nicht wie ich es finde, ihr dies preisgegeben zu haben. Aber wenigstens hab ich gesagt, das DAS nicht nur in Erzählungen vorkommt, sondern manchmal ganz nah ist. Das sie gerade neben einer dieser Betroffenen gestanden hat.

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