klebereis und mango

kein kochrezept, sondern gedanken über familienbande und abschied nehmen

 

ich schneide mango in streifen und rühre die kokoscreme in ihrem topf. die mikrowelle erweist sich als hervorragender dampfgarer für klebereis. wie die saftigen mangostücken fällt in kleinen brocken ein teil der anspannung der letzten tage endlich von mir ab. gedanken wandern von pauline-s avocadoartikel hin zur mango, der avocado aus dem obstregal, streifen kurz dieses bittersüße traurige brennen irgendwo im innen..mehr halten, aushalten geht nicht. der rücken ist in den generalstreik getreten in den letzten tagen, die orthopädin warnt, die tüte mit den paar einkäufen aus dem asiasupermarkt vorhin schien schon viel zu schwer. wie dann den rucksack im sommer beim wandern tragen oder den abschied, der nun angefangen hat oder die gedanken, die nirgends enden wollen oder den brief der halben schwester. von jener, mit der es keine gemeinsamen kindheitserinnerungen gibt. weswegen es doch leichter sein sollte mit dem kontakt. immerhin, blutsverwandt und unbelastet. aber das reicht nicht, auch im diesen letzten jahr hat es nur für einige digitale grüße gereicht, kein besuch, obwohl so nah. zumindest räumlich.

abschiede. ich mag keine abschiede mehr. das ende der cd erzeugt plötzliche stille.

inzwischen sitze ich am küchentisch, tippe, esse klebereis. die lautsprecher krächtzen im tackt von tom jones.

abschiede.

wieso setzen sich eigentlich immer die miesen gedanken irgendwo fest.

abschied. wovon eigentlich? der abschied von der therapeutin wird nun endgültig. aber da ist noch was ganz anderes. die mutter. ok. schreiben wir diesen gedankensprung mal den resten der gerade erst vergangenen tage zu.

aber die gedanken bleiben, der manchmal-blick ins internet, ob es einen hinweis auf sie bzw. ihr gehen gibt. die jüngere schwester, die, mit der es gemeinsame kindheitserinnerungen gibt. die sich damals plötzlich gemeldet hat, über eine eigentlich sichere telefonnummer. ein kurzer kontakt, ein nun wissen um neffen und nichten und ebene jene jüngere schwester, die immer noch hochambivalent nicht sagen wollte, wie sie an die telefonnummer gekommen ist. ein jahr und dreimal gewechselte nummern später ist sie wieder verbannt, hinter dieses absperrlinie, die sich anonymität nennt.

und dann ist da noch dieses transkript. online. menschen lesen es. rückmeldungen, die berühren. immer wieder auch der impuls wenigstens in fetten lettern darüber zu schreiben: ich glaube mir selbst nicht, das das wirklich alles passiert ist.

in den letzten wochen waren krisenzustände wie schlaglöcher auf  ner alten straße im alltag verteilt. und oft dieser gedanke: das fühlt sich an wie früher. es nutzt mir nichts ich kann es nicht nutzen, dieses: es ist vorbei, das war früher. es fühlt sich viel zu nah, viel zu bedrohlich, viel zu schmerzhaft an. dissozieren fällt nicht mehr so leicht, deswegen erwischen uns mitunter gefühle wie birnengroße hagelkörner. oder wir merken erst nach einer kopflosen zeit, das irgendwas uns in eben jenen taumel des ausweichens versetzt hat, der schlaflos macht und unruhig und entfremdet und überfordert.

also abschiede.

erst gar keine vorsätze fürs neue jahr und nun: ein verabschieden wollen. nicht mehr auf der flucht fühlen. nicht mehr immer nur noch mehr (er)tragen. gepäckablegen und ausruhen und sortieren und nur wieder mitnehmen, was notwendig und sinnvoll ist. so war die übung doch, damals in den anfängen, vor 10 jahren, auf der ersten traumastation. und jetzt, das alles auskippen und sortieren und verabschieden, was nicht mehr mitgeschleppt werden will.

aber wie geht das? wie verabschiedet man menschen, die man mag? und wie menschen, die man nicht mögen kann? mhm, komische formulierung für die menschen von damals. aber wie sonst nennen. familie ist heute etwas ganz anderes. familie sind menschen, die im heute da sind.

immerhin, das ist geklärt: es gibt ein heute und ein damals.

der klebereis ist aufgegessen und nur ein letztes mangostück klebt noch am schüsselrand. na dann.. nun noch wäsche aufhängen im schlaglochalltg.

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