chemo die erste

alle diese termine sind ziemlich früh und mit anfahrt stehen wir gestern immerhin erst um acht vor der tür. wach seid halb fünf, mit dem hund draußen gewesen, tasche von 4 tagen ostsee ausgepackt, rucksack mit allem von der vorbereiteten liste für den chemo-tag eingepackt. sitzen im auto neben unserer therapeutin , kopf leer. manches vorbesprochen: zum wirklich vorbereiten blieb kaum zeit. diagnose und die letzten 4 wochen sind belastung für sich. für uns der ganze medizinkram ziemlich triggernd, manches noch im auto gar nicht vorstellbar. innen versucht zu vermitteln, wofür das heute wichtig ist und die letzten tage am meer sitzend versucht eine innere haltung zu dem jetzt zu finden.

wir wussten vorher nicht, was zu“krebs und chemo“ dazu gehört. fängt alles an mit dem (in unserem fall) gyn-termin. sie findet den knoten im stehen nicht und wir sagen nochmal: im liegen gut tastbar. da findet sie ihn dann auch und beim ultraschall nach einer weile auch genug gründe, uns an ein brustzentrum zu überweisen. wir brauchen zwei tage bis wir da anrufen und dann nochmal ein woche, bis zum termin. wir sprechen im unfeld noch wenig darüber. gibt genug alltagskram. dann mit begleitung sitzen wir vor der ärztin und diese bestätigt, das auch ihr super-ultraschall den verdacht bestätigt. also gehen wir noch schnell zur mamographie, halten die Biopsie aus und taumeln mit zwei überweisungen zum ct und zur knochenzintigrafie aus der tür. ausbreitungsdiagnostik. das wort hämmert uns tagelang durch den kopf. zwei wochen bis wir die termine hinter uns haben, eine tumorkonferenz an der wir nicht teilnehmen (müssen) aber die behandelnden ärzte und ein termin in woche drei wo uns ergebnisse und behandlungsplanung erwarten. wir sind angespannt, megaangespannt, geschockt, zwischen hochfunktional und es geht gar nichts. der arzt bei der knochenzintie ruft sein erleichterndes ergebnis in den raum wo wir auf dem rücken unter einem riesigen gerät liegen, das die aufnahmen macht. überhaupt machen wir in diesen tagen ständig dinge, die eigentlich nicht gehen. aber wir sind bei keinem termin allein. und so „lost“ wir uns auch fühlen, spüren wir diese anwesenheit, den halt, das uns gegenüber sein. freuen uns über sprachnachrichten von freundinnen die wir in doofen momenten hören, fangen an darüber zu sprechen, was gerade ist, bekommen nach und nach unsere gedanken sortiert.

am ende der woche vier sitzen wir am meer. vorher haben wir montagmorgen ein vorgespräch für die port-op, am nachmittag einen termin im studio für das perückendings ( bekommt einen eigenen Beitrag), dienstagmorgen die port-op und am nachmittag das chemo-vorgespräch. mittwoch gehen wir morgens zur zweitimpfung und danach in die arbeit. dort gibt es auch noch manches zu klären. die erste chemo fällt in woche 5 seit der diagnosestellung. chemo ist eine menge zeug das in 5 stunden aus verschiedenen beuteln in den körper läuft per infusion. zwei gegen das knotendings, etwas zum „besser fühlen“ und mehrere beutel gegen nebenwirkungen. auf die warten wir jetzt um kennen zu lernen was chemo mit unserem körper machen wird. außer dem haarausfall.

wir lesen ab und zu texte, blogs von anderen, lesen dort viel darüber mit einer solchen diagnose „plötzlich„ ein lebensveränderndes thema zu haben, von einem neuen ich, innerem wachstum. und für uns? vieles davon unbekannt, weil es bisherige strategien im umgang mit traumafolgen nicht nutzen lässt ( es ist vorbei vrs. es fängt gerade erst an) und dann wieder doch, jahrelange skillübungen kommen im hirn zum vorschein und werden verändert, angepasst, verworfen, neu ausprobiert. traumamaterial ist einfach da, braucht umgang. wie trauen uns zu sagen: mit der krebs-diagnose haben wir plötzlich ein „normales“ problem. doch es ist held*innen – haft, darüber zu sprechen, damit umgehen zu müssen? viel held*innenhafter als unser jahrelanger umgang mit trauma-folgen. jedenfalls für andere. für uns..? wir haben uns vorgenommen mit beiden seiten zu sprechen, denen einen zu zeigen was trauma und z.b. eine notwendige krebsbehandlung bedeuten und mit den anderen darüber, dass das mantra: die bedrohung/ das trauma ist vorbei, nicht verhindert, das andere neue herausforderungen dazu kommen können und umgang brauchen. und wir wissen, wir sind nicht allein. andere haben diese oder noch ganz andere „normale“ diagnosen. nur finden wir kaum artikel oder nur hinweise auf den umgang von komplexen traumafolgen mit alltagsherausforderungen die aus medizinisch schweren diagnosen entstehen.

2 Kommentare zu “chemo die erste

  1. hi ihr von vergissmeinnichtdaslebendanach, euren kommentar hier haben wir öffentlich zurück gezogen, da wir nicht sicher waren, ob die von euch genannte person das so wollen würde. dennoch danke für eure worte und den hinweis. viele grüße, renée

    Gefällt mir

  2. Das ist echt viel und beängstigend und überfordernd und neu und so, was Ihr da gerade durchstehen müsst. Ihr seid nicht alleine, schreibt Ihr- das klingt erleichternd (für Euch!)…?! Und es gibt einige Ressourcen, die Euch jetzt hilfreich sind, das klingt ermutigend. Und trotzdem: Puh. Liebe Grüße von der Ostsee, richten wir mal aus. Sie freut sich auf Euren nächsten Besuch, denken wir.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s