nr. 4

zum 4. mal laufen innerhalb von 5 stunden nacheinander 8 beutel flüssigkeit über den port in den körper. 2 davon enthalten „die chemo“. alle anderen sind medikamente gegen nebenwirkungen. inzwischen hat es einen rythmus. ankommen.beutel 1 abklemmen weil wir mit „strüppi“ dem infusionsständer nicht in gekachelte räume können wegen triggerpotenzial. klo. beutel 2 und 3. abklemmen. klo. übelkeit. traumarbeit. beutel 4 und 5. klo. müdigkeit. ablenken. arztgespräch. die letzten 3 beutel. medikamente für die nächsten tage einpacken. auf der heimfahrt völlig ko einschlafen.

die 4. chemo ist ne arschkrampe. der körper ist voll. mit chemie. 3 tage danach diesmal nur liegen. jede anstrengung braucht energie. die nicht da ist. alle 2 stunden essen weil wir inzwischen wissen das übelkeit auch ein zeichen für fehlenden brennstoff im körper ist. essen können wir diesmal nur was geruchsneutral ist. überhaupt halten wir keinerlei gerüche aus. sofortige übelkeit. entgrenzung. erschöpfung. ein bisschen entmutigung. schwierige gedanken schleichen sich ein. an tag 5 lässt der enervierende geruch der chemo nach. in der nacht entbrennt eine entzündung in nase, mund, hals. tag 6 verbringen wir im krankenhaus. uns wird schlecht wenn sich auch nur eine tür auf und zu bewegt. an tag 9 lassen die nebenwirkungen etwas nach und die entzündungen gehen auf die augen über. dafür müssen wir nur noch alle 4 stunden essen. morgen ist tag 10. und dann haben wir noch 11 tage bis der zweite chemo-zyklus beginnt. dann 12 mal jede woche aber nur 2 einhalb stunden mit anderen nebenwirkungen. irgendwie klingt dieser text nüchtern. ist eine zwischenstandsmeldung. mehr geht grad nicht.